Schwitzschicht beim Gel: Was sie wirklich bedeutet und warum „No-Wipe“ nicht automatisch hart bedeutet
Schwitzschicht beim Gel: Was sie wirklich bedeutet und warum „No-Wipe“ nicht automatisch hart bedeutet
Bei der Auswahl eines Materials achten wir auf Farbe, Deckkraft, Viskosität, Festigkeit oder Flexibilität. Aber was ist mit der Schwitzschicht?
Zu diesem Artikel hat mich eigentlich eine ganz einfache Frage einer Kundin gebracht: ob wir ein weißes Gel haben, das nach dem Aushärten eine Schwitzschicht besitzt.
Natürlich haben wir das. Während ich die Frage beantwortete, kam mir jedoch ein Gedanke: Warum möchten wir bei manchen Materialien eigentlich eine Schwitzschicht und suchen bei anderen gezielt nach einem Produkt ohne Schwitzschicht? Soll ein No-Wipe-Produkt uns lediglich Arbeit ersparen, zum Beispiel beim abschließenden Glanzgel? Bedeutet es vielleicht eine bessere Deckkraft? Und warum gibt es dann farbige, French- oder Nail-Art-Gele ohne Schwitzschicht?
Und vor allem: Was sagt uns die Information „mit Schwitzschicht“ oder „ohne Schwitzschicht“ tatsächlich über die Eigenschaften eines Materials?
Nach mehr als zwanzig Jahren Arbeit mit UV/LED-Materialien habe ich festgestellt, dass einige Regeln, die wir früher gelernt haben, in der Praxis nach wie vor sinnvoll sind. Nur ihre Erklärung ist heute nicht immer so einfach, wie wir damals dachten.
Was hat mich zu diesem Artikel gebracht?
Eine einfache Frage einer Kundin:
„Haben Sie ein weißes Gel, das nach dem Aushärten eine Schwitzschicht hat?“
Die Antwort war einfach. Viel interessanter war jedoch die Frage, die danach entstand: Warum möchten wir bei einem Material eine Schwitzschicht und bei einem anderen nicht? Was sagt sie uns tatsächlich über das Produkt – und was können wir daraus gerade nicht ableiten?
Was ist eigentlich eine Schwitzschicht?
Nach der Polymerisation bleibt auf der Oberfläche mancher UV/LED-Materialien eine klebrige Schicht zurück, die wir als Schwitzschicht, Dispersionsschicht oder Inhibitionsschicht bezeichnen.
Ihre Entstehung hängt unter anderem mit dem Einfluss von Sauerstoff auf die radikalische Polymerisation zusammen. An der Oberfläche des Materials, die mit der Luft in Kontakt steht, hemmt Sauerstoff die Polymerisation teilweise. Deshalb muss die Oberfläche nicht denselben Umsetzungsgrad erreichen wie das Material darunter.
Bei einigen Produkten ist die Schwitzschicht deutlich ausgeprägt, bei anderen kaum wahrnehmbar, und manche Produkte sind gezielt als No-Wipe beziehungsweise ohne Schwitzschicht formuliert.
Mit Schwitzschicht bedeutet nicht schlechter. Ohne Schwitzschicht bedeutet nicht besser.
Es handelt sich um unterschiedliche Eigenschaften konkreter Gele. Entscheidend ist vor allem, wofür wir das jeweilige Produkt benötigen.
Ohne Schwitzschicht = hart? Hier bin ich ins Nachdenken gekommen
Viele Jahre habe ich Materialien ohne Schwitzschicht auch mit einer härteren, manchmal fast „glasartigen“ Oberfläche verbunden. Und genau so habe ich es auch weitergegeben.
Davon gab es früher nicht besonders viele. Bei uns waren das zum Beispiel Quick Finish und die Perfect-Line-Serie bei den Farbgelen.
Ich hatte damit nur teilweise recht.
Bei manchen Produkten beobachte ich dieses Verhalten tatsächlich bis heute. Aber es reichte aus, einige neuere Materialien zu nehmen, sie in derselben dünnen Schicht auszuhärten und miteinander zu vergleichen.
Und plötzlich funktionierte diese einfache Regel nicht mehr.
Zum Beispiel bricht Quick Finish 1408 nach dem Aushärten in einer dünnen Schicht beim Biegen. Der neuere No-Wipe Brilliant Gloss 1484 verhält sich bei derselben einfachen Probe deutlich flexibler.
Beide sind ohne Schwitzschicht.
Aus der Praxis wussten wir bei Quick Finish, dass es als letzte Schicht auf einer flexibleren Modellage gelegentlich reißen konnte. Auf einer festen Modellage funktionierte es dagegen hervorragend. Eine ähnliche Erfahrung hatten wir früher auch mit der Perfect-Line-Serie.
Ebenso interessant ist der Vergleich neuerer No-Wipe Cat Eye und Reflective Gel Polish. Ein Produkt kann nach der Polymerisation relativ flexibel bleiben, während ein anderes in einer dünnen Schicht deutlich spröder ist.
Ohne Schwitzschicht bedeutet heute also nicht automatisch hart.
Die Schwitzschicht allein sagt uns nicht, ob das ausgehärtete Material hart, weich, fest oder flexibel sein wird.
Die mechanischen Eigenschaften des ausgehärteten Produkts ergeben sich aus seiner gesamten Formulierung, dem Verhältnis der eingesetzten Komponenten, der Struktur des entstehenden Polymernetzwerks, dem Vernetzungsgrad, dem Photoinitiatorsystem, Pigmenten oder anderen Füllstoffen und natürlich auch aus einer korrekten Polymerisation.
Deshalb würde ich heute auch Unterschiede zwischen Cat Eye, Reflective oder Basic Gel Polish nicht automatisch dem magnetischen Pigment, den Glitzerpartikeln oder einer einzelnen Komponente zuschreiben. Ohne Kenntnis der gesamten Formulierung würde ich lediglich spekulieren.
Die Information „ohne Schwitzschicht“ reicht also allein nicht aus, um die mechanischen Eigenschaften eines Materials zu beurteilen.
Quick Finish Natur: ein Beispiel, aus dem ich viel gelernt habe
Ein sehr gutes Beispiel dafür haben wir direkt aus der Praxis bei DENATO.
Aufgrund gesetzlicher Änderungen mussten wir unseren beliebten Quick Finish Natur ersetzen, an den sich viele von euch sicher noch erinnern.
Das ursprüngliche Produkt war – ähnlich wie Quick Finish – hart, ohne Schwitzschicht und hatte eine Eigenschaft, die wir beim Nail Art besonders liebten: Pigmente ließen sich in seine Oberfläche zu einem nahezu spiegelnden Effekt einarbeiten, und das sogar noch einige Tage später.
Natürlich wollten wir einen möglichst ähnlichen Ersatz herstellen lassen.
Durch die Reformulierung und gleichzeitig den Wunsch, den No-Wipe-Charakter des Produkts zu erhalten, war es jedoch nicht mehr möglich, einfach ein vollkommen identisches Material mit allen ursprünglichen Eigenschaften herzustellen.
Das neue Produkt haben wir. Als No-Wipe-Glanzgel funktioniert es hervorragend und gefällt uns in manchen Eigenschaften sogar besser.
Das Pigment lässt sich jedoch nicht mehr auf dieselbe Weise einarbeiten wie beim ursprünglichen Quick Finish Natur.
Und genau das zeigt sehr schön, wie komplex die Formulierung eines UV/LED-Materials ist.
Eine Änderung eines Rohstoffs oder des Photoinitiatorsystems bedeutet nicht einfach: „Wir nehmen eine Substanz heraus und ersetzen sie durch eine andere.“
Die gesamte neue Formulierung muss wieder als System funktionieren:
- in der vorgesehenen Lampe und Zeit polymerisieren,
- die gewünschte Oberfläche erzeugen,
- die richtige Härte oder Flexibilität besitzen,
- den gewünschten Glanz behalten,
- eine geeignete Haftung bieten,
- und weitere gewünschte Eigenschaften erfüllen.
Zwei Produkte können also beide als „ohne Schwitzschicht“ bezeichnet werden und sich nach der Polymerisation dennoch so unterschiedlich verhalten, dass eine Nail-Art-Technik, die auf dem einen hervorragend funktioniert, auf dem anderen nicht funktioniert.
Hat die Schwitzschicht also überhaupt eine Funktion?
Damit komme ich zu einer Regel, an die sich vielleicht Nageldesignerinnen erinnern, die ungefähr so lange arbeiten wie ich:
„Gel hält auf der Schwitzschicht oder auf einer angerauten Oberfläche.“
So haben wir es vor mehr als zwanzig Jahren gelernt, und in der Praxis hat diese Regel auch funktioniert.
Heute wäre ich allerdings vorsichtiger mit dem Wort „nur“.
Die Schwitzschicht entsteht nämlich nicht primär deshalb, damit sie die einzelnen Gelschichten „zusammenklebt“. Sie ist vor allem eine Folge der Sauerstoffinhibition der Polymerisation an der Oberfläche des Materials.
Beim Aushärten eines UV/LED-Materials lösen die Photoinitiatoren durch die Bestrahlung die Polymerisationsreaktion aus. Direkt an der Oberfläche steht das Material jedoch mit dem Sauerstoff der Luft in Kontakt, der die radikalische Polymerisation teilweise hemmt.
Das Ergebnis kann die bekannte klebrige Oberflächen-, Inhibitions- beziehungsweise Dispersionsschicht sein.
Die Schwitzschicht ist daher kein Zeichen dafür, dass die Lampe die Oberfläche „nicht erreicht“ hätte, und auch nicht automatisch ein Zeichen für schlecht ausgehärtetes Material.
Bei einem Produkt, das mit Schwitzschicht formuliert ist, handelt es sich um ein erwartetes Ergebnis der Polymerisation.
Die meisten Aufbaugele besitzen eine Schwitzschicht, ebenso wie viele Bases und Farbgele.
Und genau diese Eigenschaft haben wir gelernt, in der Praxis gezielt zu nutzen.
Ist die Schwitzschicht ein „Kleber“ zwischen den einzelnen Schichten?
Häufig hört man den Vergleich, die Schwitzschicht funktioniere wie ein doppelseitiges Klebeband zwischen den einzelnen Gelschichten.
Für die Praxis ist dieses Bild leicht verständlich. Chemisch ist die Situation jedoch komplexer.
Bei kompatiblen lichthärtenden Materialien kann die Schwitzschicht den Kontakt und die Verbindung mit der folgenden Schicht unterstützen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich zwei Polymerschichten ohne sie nicht miteinander verbinden können.
Die Schwitzschicht ist also nicht die einzige Voraussetzung für die Haftung zwischen den Schichten.
Wenn sie das wäre, warum sollte Material dann auf einer korrekt angerauten Oberfläche haften?
Die Schwitzschicht kann die Verbindung kompatibler Schichten unterstützen, ist aber nicht der einzige Mechanismus, durch den die einzelnen Schichten aufeinander haften.
Deshalb muss die Schwitzschicht zwischen den einzelnen Arbeitsschritten einer Modellage auch nicht automatisch entfernt werden, sofern der technologische Ablauf des jeweiligen Systems dies nicht verlangt.
Umgekehrt gilt aber ebenfalls nicht:
Ohne Schwitzschicht bedeutet nicht, dass die nächste Schicht nicht halten wird.
Wenn ich auf einer glatten No-Wipe-Oberfläche arbeite, orientiere ich mich in erster Linie an den Empfehlungen des Herstellers und an der Kompatibilität der konkreten Materialien.
Wenn das System vor der nächsten Anwendung ein mechanisches Anrauen der Oberfläche vorsieht, verwende ich einen Buffer oder eine feine Feile.
Das Fehlen der Schwitzschicht allein ist jedoch noch kein Beweis dafür, dass die nächste Schicht nicht haften kann.
Bei Aufbaugel besteht deshalb meist kein Grund, die Schwitzschicht zwischen den einzelnen Schichten zu entfernen, wenn es der technologische Ablauf nicht verlangt.
Bei Farbgelen kann die Situation anders aussehen, zum Beispiel wenn ich die Oberfläche für eine weitere Malerei oder eine bestimmte Nail-Art-Technik vorbereiten möchte.
Und wie ist es mit No-Wipe-Materialien?
No-Wipe-Produkte sind so formuliert, dass nach korrekter Polymerisation keine übliche klebrige Oberflächenschicht zurückbleibt.
Wie dieser Effekt erreicht wird, hängt von der konkreten Zusammensetzung des Materials ab.
Und damit komme ich eigentlich wieder zu meinen eigenen Versuchen zurück.
Wenn ich zwei No-Wipe-Produkte nehme, sie in einer vergleichbar dünnen Schicht aushärte und eines beim Biegen bricht, während das andere flexibel bleibt, zeigt sich sehr deutlich, dass die Information „ohne Schwitzschicht“ allein nichts über die Härte oder Flexibilität des Materials aussagt.
Bedeutet No-Wipe, dass wir das Gel beliebig dick auftragen können?
Nein.
Und hier müssen wir zwei Dinge voneinander trennen.
„Ohne Schwitzschicht“ sagt etwas über die resultierende Oberfläche des Materials aus, nicht über die empfohlene Auftragsstärke.
Bei lichthärtenden Materialien haben wir im Grunde zwei entgegengesetzte Herausforderungen.
An der Oberfläche befindet sich Sauerstoff, der die Polymerisation hemmen kann. Das ist besonders bei sehr dünnen Schichten relevant, die der Luft ausgesetzt sind.
In der Tiefe geht es dagegen um das Eindringen des Lichts.
Die Photopolymerisation wird in der Tiefe durch die Lichtabsorption begrenzt. Deshalb kann eine dicke Schicht an der Oberfläche einen anderen Umsetzungsgrad haben als im Inneren.
Genau deshalb ergibt eine praktische Regel für mich heute besonders viel Sinn:
Ein farbiges oder Nail-Art-Gel ohne Schwitzschicht, das vom Hersteller für eine dünne Anwendung vorgesehen ist, würde ich nicht als Aufbaugel verwenden, nur weil mir seine Konsistenz, Farbe oder Härte gefällt.
Nicht, weil es keine Schwitzschicht hat.
Sondern weil seine Formulierung und sein Photoinitiatorsystem für eine bestimmte Schichtdicke ausgelegt sein können.
Bei pigmentierten Produkten ist das noch wichtiger, weil Pigmente und weitere Bestandteile den Lichtdurchgang und die Polymerisation beeinflussen können.
Allgemein gehören Art und Konzentration des Photoinitiators, Intensität und Wellenlänge des Lichts, Viskosität und weitere Parameter der Formulierung zu den wichtigen Faktoren der Polymerisation.
Das UV/LED-Licht muss die gesamte aufgetragene Schicht ausreichend durchdringen und das Photoinitiatorsystem auch in der Tiefe aktivieren.
Je dicker die Schicht ist und je stärker ihre Zusammensetzung das Licht absorbiert oder streut, zum Beispiel durch Pigmente oder andere Füllstoffe, desto wichtiger werden die konkrete Formulierung, die Lampe und die Aushärtungstechnologie.
Eine trockene Oberfläche bedeutet noch nicht, dass die gesamte Schicht korrekt ausgehärtet ist
Ein No-Wipe-Farbgel oder Nail-Art-Gel, das für eine dünne Anwendung vorgesehen ist, würde ich deshalb nicht dick auftragen, nur weil die Oberfläche direkt nach dem Herausnehmen aus der Lampe perfekt hart und ausgehärtet wirkt.
Natürlich habe ich das auch ganz praktisch gelernt.
Beim Arbeiten mit Mustertips habe ich einmal die Schichtdicke nicht ausreichend kontrolliert, weil ich die Muster schneller fertigstellen wollte.
Nicht sofort, sondern erst nach einiger Zeit begann sich die Gelschicht im Inneren des Tips zu kräuseln, obwohl sie direkt nach der Fertigstellung vollkommen in Ordnung aussah.
Genau hier sehe ich eine große Gefahr bei dem Versuch, Gel Polish in nur einer dickeren Schicht aufzutragen.
Das kann bei einem Produkt mit Schwitzschicht genauso passieren wie bei einem No-Wipe-Produkt.
Deshalb empfehle ich, Gel Polish immer in dünnen Schichten aufzutragen und den technologischen Ablauf des Herstellers einzuhalten.
Deckkraft und Schichtdicke sind nicht dasselbe
Ich verstehe, dass heute hohe Deckkraft stark gefragt ist.
Aber Deckkraft und Schichtdicke sind nicht dasselbe.
Die Entwicklung von UV/LED-Materialien schreitet sehr schnell voran. In den vergangenen Jahren wurde sie zusätzlich stark durch Änderungen der europäischen Gesetzgebung und die damit verbundenen Reformulierungen beeinflusst.
Hersteller suchen nach neuen Kombinationen von Rohstoffen und Photoinitiatorsystemen und versuchen gleichzeitig, die Eigenschaften zu erhalten, die wir von modernen Materialien erwarten:
- gute Deckkraft,
- angenehme Verarbeitung,
- Farbstabilität,
- zuverlässige Polymerisation.
Dass ein moderner Gel Polish bereits in der ersten dünnen Schicht sehr gut deckt, bedeutet jedoch nicht, dass wir zwei dünne Schichten durch eine dicke ersetzen können.
Bei der Polymerisation muss das Licht das Material ausreichend durchdringen.
Bei einer dickeren Schicht – insbesondere bei stark pigmentierten Farbtönen – kann der Lichtdurchgang in die Tiefe eingeschränkt sein.
Die Oberfläche kann dabei fest wirken und bei einem No-Wipe-Produkt sogar vollkommen trocken erscheinen, ohne dass dieses Aussehen allein bestätigt, dass das Material in seiner gesamten Schichtdicke korrekt polymerisiert wurde.
„Aber die erste Schicht hat doch schon perfekt gedeckt“ ist kein Grund, sie dicker aufzutragen.
Die Deckkraft sagt uns etwas über die optischen Eigenschaften des Produkts. Sie sagt uns nicht, dass wir es dicker auftragen dürfen.
Vielleicht gilt daher paradoxerweise: Je leistungsfähiger die Materialien werden, die uns zur Verfügung stehen, desto wichtiger ist es, ihre verbesserten Anwendungseigenschaften nicht mit der Möglichkeit zu verwechseln, die Verarbeitungstechnologie zu umgehen.
Eine No-Wipe-Oberfläche kann etwas trügerisch sein
Bei einem Produkt mit Schwitzschicht erwarten wir eine klebrige Oberfläche.
Bei einem No-Wipe-Produkt erhalten wir eine schöne, glatte und häufig glänzende Oberfläche, die leicht den Eindruck vermittelt, alles sei perfekt ausgehärtet.
Was jedoch im gesamten Inneren der Materialschicht passiert ist, kann uns die Oberfläche allein nicht verraten.
Eine trockene Oberfläche ist daher noch kein Beweis für eine korrekte Polymerisation der gesamten Schicht.
Ich muss hier auch eine ältere Erfahrung aus der Praxis erwähnen.
Obwohl man die Schwitzschicht bei klassischen Farbgelen zwischen den einzelnen Schichten normalerweise nicht entfernt, habe auch ich sie früher gelegentlich abgewischt, zum Beispiel wenn ich anschließend malen wollte.
Und genau dadurch habe ich manchmal bemerkt, dass die Farbschicht nicht ausreichend ausgehärtet war.
In diesem Fall blieb nichts anderes übrig, als den Fehler zu korrigieren.
Die Schwitzschicht kann aber manchmal auch stören
Eine ausgeprägte und relativ flüssige Schwitzschicht kann beim Auftrag einer weiteren Farbschicht deren Verhalten beeinflussen.
In der Praxis können wir zum Beispiel eine andere Verteilung der Pigmente oder eine scheinbare „Verdünnung“ der nächsten Schicht beobachten.
Das kann bei Farbgelen ebenso auftreten wie bei dünnviskosen Glanzgelen.
Genauso wenig ist es eine gute allgemeine Regel, die Schwitzschicht immer zu entfernen, sobald wir sie sehen.
Durch das Abwischen verändern wir nämlich die Oberfläche, auf die wir anschließend das nächste Material auftragen.
Deshalb würde ich mich statt der automatischen Frage „abwischen oder nicht abwischen?“ immer zuerst fragen:
Was kommt als Nächstes auf diese Schicht?
Vor einer weiteren Aufbau- oder Farbschicht ist die Situation eine andere als nach dem abschließenden Glanzgel.
Und beim Nail Art? Dort kann die Schwitzschicht sehr hilfreich sein
Die klebrige Oberflächenschicht müssen wir nicht nur als etwas betrachten, das möglichst schnell entfernt werden soll.
Beim Nail Art können wir sie gezielt verwenden, zum Beispiel für:
- bestimmte Transferfolien,
- feine Glitzerpartikel,
- Pigmente,
- weitere Effekte.
Manchmal möchten wir genau das Gegenteil.
No-Wipe-Materialien sind praktisch bei Techniken, bei denen wir nach der Polymerisation eine trockene, glatte und klar definierte Oberfläche benötigen, zum Beispiel bei bestimmten Linien, Ornamenten, Chromeffekten oder weiteren mehrschichtigen Nail-Art-Techniken.
Also auch hier:
Es geht nicht darum, ob eine Schwitzschicht gut oder schlecht ist. Entscheidend ist, was wir gerade gestalten möchten.
Und was ist mit unserem alten „Lasst die Schwitzschicht abkühlen“?
Wer schon lange mit Gelen arbeitet, erinnert sich vielleicht an die Empfehlung, nach dem Herausnehmen der Hand aus der Lampe kurz zu warten und erst danach die Schwitzschicht des abschließenden Glanzgels zu entfernen.
Das haben wir zum Beispiel bei bestimmten Glanzgelen mit Schwitzschicht gemacht, und viele Nageldesignerinnen arbeiten bis heute auf diese Weise.
Aber „kühlt die Schwitzschicht“ wirklich ab?
Bei dieser Erklärung wäre ich heute vorsichtiger.
Natürlich kühlt die Oberfläche nach dem Herausnehmen aus der Lampe ab. Die Frage ist jedoch, ob gerade das Abkühlen der Schwitzschicht tatsächlich die Ursache für das ist, was wir in der Praxis beobachten.
Man kann nicht einfach sagen, dass die Schwitzschicht „abkühlen muss“.
Vielmehr handelt es sich um einen technologischen Ablauf, der mit den konkreten Eigenschaften des Produkts und dem Zustand seiner Oberfläche unmittelbar nach der Polymerisation zusammenhängt.
Deshalb sollte auch hier die konkrete Empfehlung des Herstellers Vorrang vor einer allgemeinen Regel haben.
Bei unserem Brilliant Glanz Exclusive, einem unserer bewährten Glanzgele mit Schwitzschicht, empfehlen wir diesen Ablauf beispielsweise aufgrund unserer praktischen Erfahrung.
Ähnlich ist es bei Transferfolien
Eine vergleichbare Erfahrung haben wir beim Übertragen von Folie direkt auf die Schwitzschicht.
Wenn wir sie kurz nach der Polymerisation auftragen, funktioniert die Übertragung meist sehr gut.
Lassen wir die Oberfläche längere Zeit stehen, kann sich die Folie deutlich schlechter übertragen.
In der Praxis haben wir oft gesagt, dass die Schwitzschicht „abkühlt“.
Auch hier ist es jedoch sinnvoll, unsere langjährige praktische Beobachtung von der chemischen Erklärung zu trennen.
Dass sich die Eigenschaften der Oberfläche nach der Polymerisation mit der Zeit verändern, bedeutet nicht automatisch, dass ausschließlich die Abkühlung der Schwitzschicht dafür verantwortlich ist.
Der resultierende Effekt kann mit dem Zustand und der Zusammensetzung der Oberflächenschicht, weiterlaufenden Prozessen nach Ende der Belichtung, der Materialtemperatur und weiteren Eigenschaften der konkreten Formulierung zusammenhängen.
Für uns ist die praktische Schlussfolgerung einfach:
Wenn wir die Schwitzschicht für die Übertragung einer Folie nutzen möchten, arbeiten wir damit zu dem Zeitpunkt und auf die Weise, die für das konkrete Material empfohlen wird.
Es ist ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass wir in der Praxis oft schon lange wussten, was funktioniert, bevor wir überhaupt wissen mussten, warum es funktioniert.
Was können wir aus der Schwitzschicht tatsächlich ablesen?
Vor allem würde ich anhand der Schwitzschicht nicht beurteilen:
- die Qualität des Produkts,
- die Härte,
- die Flexibilität,
- die Deckkraft,
- oder die gesamte mechanische Beständigkeit.
Bei der Auswahl eines Materials würde ich ganz woanders beginnen:
- Was brauche ich von diesem Material?
- Möchte ich modellieren?
- Möchte ich den Naturnagel verstärken?
- Trage ich Farbe auf?
- Male ich feine Linien?
- Möchte ich Folie, Pigment oder Chrome verwenden?
- Brauche ich danach eine weitere Schicht?
- Oder handelt es sich bereits um die endgültige Oberfläche?
Erst danach wird die Information über die Schwitzschicht für mich wirklich nützlich.
Was sollten wir daraus für den Salon mitnehmen?
- No-Wipe bedeutet nicht automatisch hart oder spröde.
- Eine Schwitzschicht ist nicht automatisch ein Zeichen für schlechte Aushärtung.
- Die Schwitzschicht ist nicht der einzige Mechanismus für die Haftung zwischen einzelnen Schichten.
- „Ohne Schwitzschicht“ sagt nichts darüber aus, wie dick ein Material aufgetragen werden darf.
- Deckkraft und Schichtdicke sind nicht dasselbe.
- Eine trockene Oberfläche eines No-Wipe-Produkts bestätigt nicht die korrekte Polymerisation der gesamten Schicht.
- Die Schwitzschicht kann beim Nail Art sowohl stören als auch ein sehr nützlicher Helfer sein.
- Der technologische Ablauf des Herstellers für das konkrete Material hat immer Vorrang.
FAQ: Häufige Fragen zur Schwitzschicht
Ist eine Schwitzschicht ein Zeichen für schlecht ausgehärtetes Gel?
Nicht automatisch. Bei einem Material, das mit Schwitzschicht formuliert ist, ist die klebrige Inhibitionsschicht eine erwartete Eigenschaft der Oberfläche nach der Polymerisation.
Muss ich die Schwitzschicht zwischen den einzelnen Schichten immer entfernen?
Nein. Wenn es der technologische Ablauf des jeweiligen Systems nicht verlangt, wird die Schwitzschicht zwischen den einzelnen Schichten einer Modellage normalerweise nicht automatisch entfernt.
Ist ein No-Wipe-Gel härter als ein Gel mit Schwitzschicht?
Nicht unbedingt. Zwei No-Wipe-Produkte können nach dem Aushärten eine sehr unterschiedliche Härte, Flexibilität und Sprödigkeit aufweisen.
Kann ich ein No-Wipe-Farbgel in einer dickeren Schicht auftragen?
Die Tatsache, dass ein Produkt ohne Schwitzschicht ist, sagt nichts über die empfohlene Auftragsstärke aus. Wenn das Produkt für eine dünne Schicht vorgesehen ist, muss dieser technologische Ablauf eingehalten werden.
Warum lässt sich Folie manchmal besser auf eine frische Schwitzschicht übertragen?
Aus der Praxis wissen wir, dass sich die Eigenschaften der Oberfläche nach der Polymerisation im Laufe der Zeit verändern können. Deshalb ist es beim Arbeiten mit Folie am besten, den konkreten Empfehlungen für das jeweilige Material zu folgen.
Zusammenfassung: Die Schwitzschicht ist nur eine Information über das Material
Auch nach mehr als zwanzig Jahren Arbeit mit UV/LED-Materialien kann ich zwei Produkte nehmen, über beide sagen „sie sind ohne Schwitzschicht“, sie nebeneinander aushärten und feststellen, dass eines beim Biegen bricht, während sich das andere biegt.
Die Schwitzschicht ist also lediglich eine Information über das Material.
Sie ist keine Anleitung dafür, wie sich das gesamte Material verhalten wird.
Deshalb reicht es nicht aus, ein Gel nur nach einer einzigen Eigenschaft auszuwählen.
Wichtiger ist immer zu wissen, was wir von dem Material erwarten, wofür es formuliert wurde und welchen technologischen Ablauf der Hersteller dafür empfiehlt.
Autor des Artikels
Diesen Artikel haben Lucie Králová und das Expertenteam von DENATO auf Grundlage von mehr als zwanzig Jahren Erfahrung mit UV/LED-Materialien und professioneller Nagelstudio-Praxis erstellt.
Aktualisiert
Dieser Artikel wurde entsprechend den aktuellen Erkenntnissen und professionellen Verfahren im Bereich der Nagelmodellage aktualisiert.
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